Test und Vergleich

Spachtelmaschinen – Welche ist die Richtige?

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Wenn Du als Maler, Spachtler, Sanierer oder eben als Profi-Handwerker Anfragen und Aufträge für Spachtelarbeiten hast und die für Dich passenden Spachtelmaschinen kaufen möchtest, stellst Du Dir prinzipiell die Fragen:

  1. Welcher Hersteller kommt in Frage?
  2. Welchen Maschinentyp und welche Maschinengröße soll ich wählen?
  3. Wie unterscheiden sich die Spachtelmaschinen oder Kombigeräte technisch und preislich?
  4. Welche Spachtelmaschine oder welches Mehrfunktionsgerät ist momentan und für zukünftige Projekte für mich am Rentabelsten?
  5. Welche Maschine passt genau zu meinen Anforderungen?

Da ich als “alter Hase” in diesem Geschäft viel von Offenheit und Ehrlichkeit halte, beginnen wir mit der allgemeinen Marktsituation für Maschinen, mit denen vernünftig Spachtelarbeiten durchgeführt werden können. Obwohl es mit Sicherheit den einen oder anderen Exoten gibt, tauchen im Profi-Segment 3 Platzhirsche auf. Strobl, Wagner und Graco bewerben aktiv und massiv den Spachtel-Verarbeiter. Selbst starke Handelgesellschaften, wie zum Beispiel Storch, greifen auf Graco zurück und vermarkten Spachtelmaschinen unter Eigennamen.
Der Markt ist also nicht riesig – das Maschinenangebot aber um so mehr und gewaltig in seinen Unterschieden.

Um Spachtelarbeiten überhaupt auf größeren Flächen ausführen zu können, ohne das Maschinen nach ein- bis zweimaliger Anwendung in die Knie gehen, habe ich aus meiner Sicht geeignete Fabrikate gegenübergestellt. Ich werde Sie vergleichen und Dir zeigen, in welchem Arbeitsspektrum ich sie für angemessen halte, um Dir die Entscheidung so leicht, wie möglich zu machen.

Wenn Du natürlich nur sehr selten, ab und an sehr kleine Flächen spachteln möchtest und Dir die händische Ausführung zu lange dauert, gehen natürlich auch kleinere Versionen.

Welche Spachtelmaschinen sind auf dem Prüfstand?

Technische Merkmale und Unterschiede

Prinzipiell unterscheidet man bei Maschinen, die in der Lage sind, niedrigviskose Materialien, wie zum Beispiel Dispersions-Spachtelmassen gut und sicher zu verarbeiten zwischen Airlessgeräten und schneckenbasierten Geräten. Bei beiden Varianten kommen je nach Hersteller auch luftunterstützte Typen hinzu, um mehr Power auf die Düse zu bekommen.
Airlessmaschinen sind für das Spachtelsegment in der Regel leistungsstarke Kolbenpumpen und in verschiedenen Antriebsarten erhältlich. Normalstrombetrieb, Starkstrom bis benzinangetriebene Aggregate sind möglich.

Vor- und Nachteile Airless-Maschinen

Die derzeit größten Kolbenpumpen-Anlagen, die sich auch als Spachtelmaschinen eignen, sind aus dem Hause Graco die Mark X und bei Wagner die Heavycoat 950 und 970.
Die Wirkungsweise dieser Geräte funktioniert auf dem Prinzip einer hohen Verdichtung mit extrem hohem Druck. Das Material wird vom Kolbensystem aufgenommen und durch den Schlauch bis zur Spritzpistole gepresst. Je nach Auswahl der Düse wird das Spachtelmaterial in verschiedenen Breiten relativ gleichmäßig auf den Untergrund aufgetragen.
Obwohl Du mit etwas Einfallsreichtum Material in einen großen Eimer oder in eine Mörtelwanne einfüllen könntest, um die Maschinen zu versorgen, brauchst Du eigentlich für Airlessgeräte dieser Art koppelbare Materialtrichter und eine Sackpresse, die zusätzlich gekauft werden müssen. Die genannten Maschinen wiegen im Schnitt um die 80 bis 85 Kilogramm und sind schon mächtige Geschütze. Der Preis dieser Maschinen liegt netto zwischen 6500,00 Euro und 9000,00 Euro, je nach Größe. Trichteranlagen bewegen sich dann noch einmal um die 1500,00 Euro.

Bei der T-Max-Serie von Graco setzt man bei den Versionen TexSpray 657 und 6912, die als Airlessgeräte mit zusätzlicher Luftunterstützung laufen, auf eine Kombination von Kompression und Druckluft. Bei einem Betriebsdruck von ca. 65 bis 69 bar weisen diese beiden Maschinen eine Förderleistung von 7,2 Liter bzw. 12 Liter pro Minute auf. Die Material- und Kompressionseinheit sind modular gestaltet, um einen leichten Transport zu ermöglichen. Diese Geräte sind für reine Spachtelarbeiten konzipiert und kosten netto zwischen 7300,00 Euro und 9000,00 Euro, je nach Modell. Das eigentliche Spritzbild entspricht dem der Airlessanlagen.

Vorteile von Airlessmaschinen

  • Im Vergleich zu schneckenbetriebenen Anlagen preiswerter.
  • Mit wenigen Handgriffen umrüstbar für andere Materialien.
  • Schläuche, Lanzen und Pistole handlich und leicht.
  • Sehr kontrollierbares Spritzen / Auftragen von Material.
  • Sehr flexibel für mehrere Arbeitsschritte maschinell, mit einer Maschine spachteln, Kleber aufsprühen, Grundierungen und Farbe spritzen durch Düsenwechsel möglich.

Nachteile von Airlessmaschinen

  • Zukauf von Materialtrichter und Sackpresse
  • Mit Förderleistung von 6 bis 9 Liter pro Minute kein schnelles Aufbringen von Material möglich.
  • Kolbenpumpen müssen intensiv geölt, geschmiert und gewartet werden.
  • Laufzeit der Kolbenpackungen begrenzt, Ersatzteile relativ teuer. Schnellere Abnutzung der Packungen bei häufigen Materialwechseln und bei schlechter Pflege.
  • Grobes Material mit hoher Schleifwirkung bedeutet spürbar hohen Verschleiss bei Düsen und Kolben.
  • Kornhaltiges Material nicht möglich.
  • Materialrückführung problematisch. Befinden sich Fremdstoffe oder Absetzungen in bereits verwendetem Material, sind Stopfer vorprogrammiert.
  • Düsen setzen schnell zu. Ungleichmäßiges Spritzbild bis hin zu Verstopfungen.

Vor- und Nachteile der PlastCoat HP 30

Das Schwergewicht von Wagner passt nicht so recht in irgendeine Schublade. Dieses Gerät, welches netto ca. 7000,00 Euro kostet und als schneckenbetriebene, sehr robuste Maschine konzipert ist, nutzt dennoch durch spezielle Technologie die Airlesstechnik.
Ich sehe die HP 30 als optimale Maschine an, wenn es gilt, Spachtelmassen auf Q3 und Q4 im Trockenbaubereich zügig zu verarbeiten, Fläche zu machen und danach maschinell, nach einfachen Düsenwechsel und Reinigung des Gerätes Farbe zu spritzen, da der Spritzauftrag ebenfalls den Airlessmaschinen gleichkommt. Eine Sackpresse wird als Zubehör angeboten und kostet ca. 800,00 Euro netto. Bei Verschleiß der Schnecke (Rotor und Stator) sollte man für Ersatz etwa 500,00 Euro netto einplanen.

Vorteile der PlastCoat HP 30

  • Robust durch Schneckenförderung
  • Mit wenigen Handgriffen umrüstbar für andere Materialien.
  • Schläuche, Lanzen und Pistole handlich und leicht.
  • Sehr kontrollierbares Spritzen / Auftragen von Material.
  • Sehr flexibel für mehrere Arbeitsschritte maschinell, mit einer Maschine spachteln, Kleber aufsprühen, Grundierungen und Farbe spritzen durch Düsenwechsel möglich.
  • Relativ wenig Wartungsaufwand

Nachteile der PlastCoat HP 30

  • Mit Förderleistung von 10 kg pro Minute mittelmäßige Schnelligkeit.
  • Grobes Material mit hoher Schleifwirkung bedeutet spürbar hohen Verschleiss bei Düsen und Kolben.
  • Kornhaltiges Material nicht möglich.
  • Materialrückführung problematisch. Befinden sich Fremdstoffe oder Absetzungen in bereits verwendetem Material, sind Stopfer vorprogrammiert.
  • Düsen setzen schnell zu. Ungleichmäßiges Spritzbild bis hin zu Verstopfungen.

Vor- und Nachteile von Strobl - Spritz- und Förderanlagen

Strobl verfolgt mit seinen Maschinen einen grundsätzlich anderen Lösungsansatz. Wagner und Graco stammen aus der Entwicklung heraus von Farbspritztechnologien ab und haben für den Marktausbau auf dieser Basis Geräte zum Spachteln konzipiert. Schneckenbetriebene Förderanlagen und Spachtelmaschinen von Strobl sind eigentlich für alles geschaffen, was irgendwie nach Spachtel, Kleber oder Putz aussieht. Auf dieser Grundlage wurden dann Pakete geschnürt, mit denen man auch maschinell Farbe rollen oder spritzen kann, aber so richtig toll ist das widerrum nicht, da Dir bei den Schläuchen irgendwann der Arm abfällt.

Geht es aber darum, Spachtelmassen, Armiermörtel, Putze, Oberputze, Akustikputz oder vergleichbare Materialien auf Oberflächen aufzubringen oder ganz nebenbei Fugen zu verpressen, dann kennen die Anlagen der Strobot-Reihe kein Pardon. Ähnlich, wie bei großen Putzmeister-Aggregaten wird das Material mittels Schnecke durch den Schlauch gepresst und vorn an der Sprühlanze mit Druckluft durch einen Kompressor zerstäubt. Das Spritzbild unterscheidet sich sehr von Airlessgeräten, da hier das Material durch 6 mm oder 8 mm Runddüsen gefördert wird und ringförmig darum angebrachte Luftdüsen das Spritzgut aufstreuseln. Je nach Maschinentyp sind hier Förderweiten bis 48 Meter und gleichzeitig Förderhöhen bis 24 Meter möglich. Bei Fördermengen bis 24 Liter pro Minute lassen sich sehr schnell entweder hohe Schichtstärken aber auch in rasanter Geschwindigkeit große Flächen bearbeiten. Je nach Variante gestalten sich hier die Preise von 3500,00 Euro netto bis 6200,00 Euro für das 408-er Monster, wobei immer ein geeigneter Kompressor, Schlauchpakete und Sackpresse dazukommen. Das Kraftpaket Strocomp 865 kostet ca. 3300,00 Euro netto und ist natürlich für alle Anwendungen im täglichen Leben der absolute Burner. Dieser Doppelkolben-Kompressor ist mit Baumarkt-Geräten nicht zu vergleichen, da der 865 mit 2 sehr kleinen Kesseln ausgestattet ist und diese durch eine Steuereinheit keinen Druckabfall verzeichnen. Mit einer permanten Druckluftabgabe bis 550 Liter pro Minute unter Voll-Last ist dieses Aggregat nicht nur laut, sondern auch ein unverwüstliches Arbeitstier mit beeindruckenden Leistungen.

Vorteile der Strobl-Förderanlagen

  • Verarbeitet alle Spachtelmassen, Kleber, Armiermörtel, Oberputze, Akustikputze problemlos.
  • Materialtrichter doppelte Wandung – verhindert Materialantrocknung am Rand.
  • Große Förderweiten bei gleichzeitig großen Förderhöhen.
  • Hohe Fördermengenabgabe.
  • Kaum Stopfer oder Zusetzen der Düse.
  • Bereits verwendetes Material kann problemlos zurückgeführt werden.
  • Sehr wartungsarm und unverwüstlich

Nachteile der Strobl-Förderanlagen

  • Gegenüber Airlessgeräten als Komplettsatz teurer.
  • Durch Schlauchpaketwechsel umstellen auf Farben möglich aber nur begrenzt empfehlenswert wegen hohem Gewicht der Schläuche.
  • Durch streuselartiges Spritzbild und höher Fördermenge nichts für Ungeübte.
  • Transport von Förderanlage und Kompressor als 1 Person möglich, aber grenzwertig. 2 Leute besser – zumindest bei Stufen und Treppen.

Produktbeispiel:

Fördermaschine FörderpumpeSTROBOT 305
Spachtelmaschine Strobot 305

Die STROBOT 305 ist für kleine bis mittlere Arbeitshöhen und -weiten ausgelegt und verarbeitet alle mittel- bis dünnviskosen Materialien mühelos.
Für den GEKA-Anschluss gibt es umfangreiche Schlauchsätze, um auch neben üblichen Putzen und Spachtelmassen, Farbe und Grundierungen aufspritzen und aufrollen zu können.
Arbeitsdruck: bis 25 bar
Fördermenge: 0 bis 10 Liter / Minute (stufenlos)
Förderhöhe: bis 15 Meter
Förderweite: bis 25 Meter

Fazit:

Jedes Gerät hat seine Daseins-Berechtigung und Jeder, der sich mit der Materie etwas auseinandersetzt und schon Erfahrungen sammeln konnte, wird seinen individuellen Favoriten anpreisen.
Fakt ist: Technisch ausgereift sind Sie alle und der Preisunterschied gleichwertiger Geräte zu unterschiedlichen Anbietern ist verdammt gering.
Eine Marke oder eben nur DAS Gerät in den Vordergrund zu stellen, ist der falsche Ansatz. Beziehen wir uns auf Deine Baustelleneinsätze und Deine finanzielle Ausgangslage.

 

  • Du bist hauptsächlich als Maler unterwegs, hast öfters größere Flächen mit Farbe zu spritzen, maschinell zu rollen und gelegentlich Decken und Wände bis mittlerer Größe zu spachteln, dann empfiehlt sich ein Airlessgerät, wie die HeavyCoat 950 oder Mark X. Somit kannst Du mit nur einem Gerät mehrere Arbeiten abfangen, ohne in eine 2. Maschine investieren zu müssen. Die liebevolle Pflege und den erhöhten Wartungsaufwand der Kolbenpumpenanlagen bekommst Du gratis dazu ;-).
  • Hast Du oft Trockenbau vollflächig zu spachteln und musst zusätzlich auch einmal große Flächen spritzen, dann empfiehlt sich die PlastCoat HP 30. Dieses Gerät ständig in kleine Projekte zu schleppen, um damit 50 m² zu spachteln, ist nicht im Sinne des Erfinders.
  • Wenn Du also sehr oft kleinere bis mittlere Flächen spachtelst und für maschinelles Farbspritzen bereits eine kleine Anlage im Besitz hast, dann kommt Dir die modulare Bauweise der Graco TMax-Serie sehr entgegen.
  • Jeder, der in seinem Portfolio nicht nur Spachteln auf Trockenbau, Beton, Filigrandecken oder sanierungsbedürftige Oberfächen hat, sondern auch maschinell Armierungskleber, Oberputze, Sanier- oder Akustikputze verarbeiten will, kommt an Strobl nicht vorbei.
    Wie bei der TMax-Serie solltest Du dann für Farbaufträge mit der Maschine ein weiteres Gerät parat haben. Und da bin ich wirklich Fan von membrangeführten Anlagen, wie beispielhaft die SF 23 von Wagner, mit der ich ein hervorragendes Spritzbild hinbekomme und noch einmal unglaublich variabel bin, um Disperionen, Grundierungen und sogar Lacke und Lasuren spritzen kann.

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